Die Flut
von Josef Hirschböck

Der zug fährt ab
und bringt sie weg
und zu sich selbst.
Etwas stumpfe trauer
schlüpft unbemerkt
in die jackentasche
noch bevor meine hand
dort das warme finden kann.

Bleiche stunden faulen
von der bahnhofsuhr
ich steig ins auto, fahre los
nasse straßen fallen
schwarz in mein herz
und der abgestandene atem
einer lichtlosen nacht.

Drückt mich meine angst,
hinter diesem lenkrad
unvermutet zu ertrinken
zu den gestaden leichter worte
wo noch andre sind und warten
mit dem weißbier in der hand
auf daß die zeit verebbt.

Oder betrink ich mich
im hause meiner anschrift
mit schlingernd-explodierten
großraumlimousinen,
dem geheule bunter
siliconblondinen
vor flugzeugträgern,
dem abgrund eines
wasserbetts.

Die nächsten kilometer scheiden.
Oder sag ich: einsamkeit.
schwester der nacht,
ich ergebe mich.
Schick mir den mond,
wenn ich den wagen
im gehölz am ortsrand parke
und mir auf der rückbank
ein gutes tape reinzieh

in meinen augen wird es regnen
und jeder tropfensturz -
er bringt mein herz zum beben.

Josef Hirschböck


 

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