Ein Haus
in der Stadt

von HMK

ein glas
in der
hand
sitzt du
am tisch
viereckig
und
hell

sorglos
lachend
lärmend
dichtgedrängt
sonntagspublikum

an aprikosenfarbener
wand
drei
dämmrige
leuchter

in der
mitte
des raumes
schwebt
eine wolke
aus plastik

ganz
dunkel

darin
versteckt
einunddreißig
elektrische
lichter

die wolke
am himmel

kaminartig
durchbrochen

von einer
schwarzmarmorierten
säule

ein mann
mit mütze
im
grobgestrickten
naturfarbenen
pullover

sitzt im fenster

dicht neben mir

den rücken
der straße
zugewand

keine wand
in der
hand

unterstreicht

er

eine zeile

zwei räme
ohne
schwelle

plakate
über den treppen

wärmende hände

eiswind
im kragen

in der zweiten etage

bilder

vernichtungskrieg
verbrechen der wehrmacht
1941 - 1944

denkenzersprengtwände

zitternde hände
blutdruck 90/60

ein starker kaffee
wird gut tun

die hand
ohne wand
leiht
mir einen
bleistift

auf der
ersten leeren
seite
des katalogs
von

willimüllerhufschmiedkünstler
karlsruhe

(ab 1933 von den
nationalsozialisten verfemt)

beginne ich
zu schreiben

jetzt
fühle
ich mich
schon
viel besser

HMK
geschrieben im kunstverein karlsruhe
am 12.01.1997, 16 uhr 45
cafe rih

 

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