Texte und Verse
von Klaus Roth

Teil 1


elementares

die botschaft der rissigen mauern ertasten
den geruch des regens einatmen
das rauschen der bäume deuten
in zeitlosigkeit versinken




magische geographie

kreise auf dem wasser
lebenswege in spiegelschrift
poetische reisen durch niemandsländer




vieldeutiges

rost am beil des henkers
das moosige schweigen der wälder
die ungreifbaren silhouetten des abends
abbilder des himmels im see




aufgaben

es drehen und es wenden
neue zaubersprüche murmeln
die sieben meere überqueren




daseinselemente

die regungslosigkeit einer spinne
orte an denen der tod schläft
das medizinfläschchen mit dem korken
künstliches obst in einer glaschale
die jahreszahl über dem friedhofstor




topographie

am ufer sitzen die dichter und schweigen
allmählich bedecken träume die fluren
hinter dem dorf heulen die wölfe




philosophischer ausflug

der wind klärt meine gedanken
ich gehe schwerelos
zwischen untergängen
und offenbarungen
mein blick verliert sich
im endlosen




im kellergang einer festung

ich bin
das echo
meiner schritte




zeitvertreib

eine schatzkarte zeichnen
sich auf den weg machen
an jener stelle graben
die schatztruhe nach hause tragen




magische zeitpunkte

die stunde der kreuzotter
der beginn des sommerregens
das erwachen der maulwürfe
dein letzter atemzug




friedhofspoesie

aus dem offenen fenster
der leichenhalle
dringt das gekreische
der leichenwäscherin
und das gefluche
des totengräbers
ich fülle die gießkanne
und gehe zum grab meines großvaters




im süden

andere möwen kamen
andere tage begannen
andere freunde gaben sich zu erkennen




jene farbe

das kind greift in den himmel
um das blau auf die erde zu holen




am meer

jeder strandkiesel
ein stein der weisen




lebensformen

von der außenwelt abgeschnitten
von der innenwelt abgeschnitten

Klaus Roth


 

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