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Tomasz Stanko Quartet

Soul of Things

[ Ecm Record (Universal) - 2002 ]

Einige Hörproben:
(von Universal Music)


Variation 1:

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Sieben Jahre lang arbeitete Tomasz Stanko mit seinen jungen polnischen Quartett-Partnern im heimatlichen Jazzuntergrund. Mit "Soul Of Things" traten Sie ans Licht der internationalen Öffenlichkeit.


Sie haben zwar Seltenheitswert, aber es gibt sie doch: die Trompeter, die trotz fortschreitenden Alters keine Ansatzschwierigkeiten haben, sondern es sogar schaffen, immer kraftvoller zu intonieren. Tomasz Stanko, der am 11. Juli 2002 seinen 60. Geburtstag beging, ist einer von ihnen. Sein dunkler, intensiver Trompetenton ist sofort identifizierbar, macht ihn unverwechselbar.

Das wird vor allem deutlich, wenn er Balladen spielt. Wo viele andere Trompeter ihre Töne in Watte, wenn nicht gar Zuckerwatte hüllen, weist Stankos Phrasierung immer noch Muskulosität und die Ungeschliffenheit eines Rohdiamanten auf. Dabei hat der Pole seit langem eine Vorliebe für bluesig-balladeske Themen. "Jazz wurde aus dem Schmerz heraus geboren", meinte er einst. "Schmerz ist wunderbar. Das Leben hat zwei Seiten: das Licht und die Dunkelheit. Ich denke, wir Jazzer befinden uns auf der dunklen, schmerzvollen Seite. Leiden war immer meine größte Inspiration."

Zum Jazz fand der 1942 in Rzeszowie geborene Tomasz Stanko als 16-Jähriger. Nachdem er in Krakau ein Konzert des Dave Brubeck Quartetts erlebt hatte, entschloß sich der Teenager, der schon Klavier und Geige spielte, spontan dazu, Trompete zu lernen. Ein etwas rätselhafter Entschluß angesichts der Tatsache, daß in Brubecks damaligem Quartett überhaupt kein Trompeter mitspielte.

Noch während seines Musikstudiums an der Krakauer Musikhochschule gründete Stanko mit Pianist Adam Makowicz seine erste Band namens Jazz Darings, laut Joachim Ernst Berendt Europas erstes Free Jazz-Ensemble. Schon ein Jahr später tritt er der Band des Pianisten und Komponisten Krzysztof Komeda bei, der immensen Einfluß auf den jungen Trompeter ausübt. Komeda, der durch brillante Arbeiten für die Filme von u.a. Roman Polanski und Andrezej Wajda zum wichtigsten Filmkomponisten der 60er Jahre avancierte, gilt heute noch als die Vaterfigur des polnischen Jazz. Nach Komedas Unfalltod tritt Stanko als Kronprinz 1969 in dessen Fußstapfen.

Welchen Stellenwert der Pole auch innerhalb der internationalen Jazzszene genießt, macht ein Auszug aus der Liste seiner musikalischen Partner deutlich: Im Laufe der Jahrzehnte machte er Konzerte und Aufnahmen mit u.a. Jan Garbarek, Jack DeJohnette, Don Cherry, Cecil Taylor, Lester Bowie, Dave Holland, Gary Peacock, Don Pullen, George Adams, Albert Mangelsdorff, Chico Freeman, John Surman, Dino Saluzzi, Terje Rypdal und Tony Oxley.

Stets spielte Stanko, der vor zwei Jahren von den Kritikern des polnischen Fachmagazins "Jazz Forum" zum Musiker der 90er Jahre erklärt wurde, jedoch auch mit den wichtigsten Musikern seiner Heimat zusammen. Den vorgenannten Titel verdiente sich Stanko nicht zuletzt aufgrund der Alben, die er seit 1994 für ECM einspielte: "Matka Joanna", "Leosia", "Litania - Music Of Krzysztof Komeda" und "From The Green Hill", für das der Trompeter u.a. den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik 2000 erhielt.

Schon während er die ECM-Alben mit internationalen Besetzungen aufnahm, spielte Stanko in Polen mit drei sehr jungen Musikern (Pianist Marcin Wasilewski, Bassist Slawomir Kurkiewicz und Drummer Michal Miskiewicz) zusammen, die er behutsam zu der musikalischen Reife führte, mit der sie sich auf "Soul Of Things" präsentieren.

"Marcin und Slawomir waren ungefähr 18, als wir begannen, und Michal, wenn ich mich nicht täusche, erst 16", erzählt Stanko. "Aber sie besaßen wirklich schon Persönlichkeit. Sie waren von Anfang an gut. Ich glaube, daß es bei Musiker so ist - wenn sie Talent besitzen, dann hört man das sofort."

Bevor Tomasz Stanko sich 1994 mit ihnen zusammentat, spielten Pianist Marcin Wasilewski, Bassist Slawomir Kurkiewicz und Schlagzeuger Michal Miskiewicz schon als eigenständiges Trio, das sich musikalisch sehr stark an den Klängen des ECM-Labels orientierte. Der Einfluß Keith Jarretts ist in Wasilewskis Klavierspiel noch heute erkennbar, und es gibt auch einige Momente, in denen das sensible Spiel von Drummer Miskiewicz an Jon Christensen oder Paul Motian erinnert. Aber dies sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß beide auch Eigenständiges mitzuteilen haben. Auf dem balladesken Jazzalbum "Soul Of Things" haben sie dazu mehr als genug Gelegenheit.

Wasilewski, Kurkiewicz und Miskiewicz sind bis ins kleinste Detail mit Tomasz Stankos musikalischem Werdegang vertraut. Seit sie ihre Liebe zum Jazz entdeckten, haben sie jeden Schritt von Stankos musikalischer Entwicklung mit- bzw. zurückverfolgt: Von seinen Jahren mit dem legendären Filmmusikkomponisten Komeda über seine Free Jazz-Phase bis zur ?slawischen Soulmusik? der letzten Jahrzehnte, Stankos persönlicher Spielart des Jazz, bei der Tradition und Innovation gleiche Bedeutung beigemessen wird.

"Soul Of Things" ist ein Album, auf dem es um Wesentliches geht. Mit unverhohlener Zuneigung blickt Stanko auf seine eigenen Einflüsse zurück: auf Miles Davis, Chet Baker und Clifford Brown. Beinahe die gesamte Session wird von einer warmen Atmosphäre sowie einem in Tempo und Ausdruck recht freien Vortrag dominiert. Tatsächlich dürfte ein jeder, der die Balladeneinspielungen von Miles, Chet und Brownie liebt, auch diese Aufnahmen lieben.

Dreh- und Angelpunkt dieses Projektes ist jedoch Stankos charakteristischer dunkler Trompetenklang. Er ist und bleibt einer der markantesten zeitgenössischen Trompeter. Kaum einmal hat man ihn indes so zärtlich spielen gehört wie hier, hervorragend unterstützt von seinen jungen Kollegen. "Die Gruppe ist bereit, sich in die Welt hinauszuwagen", meint Stanko. "Ich bin mehr als zufrieden mit dem, was jeder einzelne zu "Soul Of Things" beigetragen hat."

Musiker: Tomasz Stanko - trumpet / Marcin Wasilewski - piano / Slawomir Kurkiewicz - double-bass / Michal Miskiewicz - drumst.

Quelle: © Gastbeitrag von www.jazz-echo.de, 2003

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Trackliste:

>> 1. Variation 1 (5:41)
>> 2. Variation 2 (8:00)
>> 3. Variation 3 (4:23)
>> 4. Variation 4 (5:12)
>> 5. Variation 5 (5:44)
>> 6. Variation 6 (5:02)
>> 7. Variation 7 (5:48)
>> 8. Variation 8 (3:23)
>> 9. Variation 9 (8:08)
>> 10. Variation 10 (6:15)
>> 11. Variation 11 (6:56)
>> 12. Variation 12 (5:08)
>> 13. Variation 13 (5:11)

Links:

Offizielle Homepage von Tomasz Stanko

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